Am 9. Mai 2026 veröffentlichte flieger.news einen dringenden Appell an alle Segelflieger, die in den französischen Hochalpen unterwegs sind: Die Einhaltung der Überflughöhen in den Vogelschutzgebieten Vanoise, Mercantour, Écrins, Gran Paradiso und Vercors/Glandasse ist die entscheidende Voraussetzung dafür, dass neue Korridore für den Segelflug überhaupt geöffnet werden können. Hintergrund sind intensive Verhandlungen zwischen regionalen Segelflugplätzen der Haut-Provence und den Verwaltungen der großen Nationalparkgebiete, die laut der Quelle seit Längerem laufen und Ende Mai 2026 eine weitere Besprechungsrunde hatten.
Wie stehen die Verhandlungen um neue Korridore?
Derzeit existiert in der Vanoise ein einziger Korridor, der jeweils ab dem 15. Mai geöffnet ist. Laut flieger.news ist dieser Korridor räumlich so eng und thermisch so ungünstig positioniert, dass er Segelfliegern kaum hilft, das Gebiet sicher zu durchqueren. Für Anfang Juni 2026 wurden zwei zusätzliche Korridore in Aussicht gestellt — allerdings ausdrücklich unter der Bedingung absoluter Luftraumdisziplin. Dass diese Korridore nicht bereits 2025 zur Verfügung standen, lag laut dem Bericht ausschließlich an den häufigen unerlaubten Einflügen in die Schutzgebiete. Aerokurier berichtete im Juni 2025 ergänzend, dass die französischen Segelflieger unter Federführung von Hélène Prat nach jahrelangem Stillstand wieder mit den Nationalparkverwaltungen von Vanoise, Mercantour und Vercors ins Gespräch kommen konnten — und dass als positives Beispiel bereits neue Korridore im Nationalpark Écrins ausgewiesen wurden.
Nulltoleranz: Was die Schutzgebietsverwaltungen fordern
Von Seiten der Nationalparkverwaltungen gilt dem Bericht zufolge eine absolute Nulltoleranz gegenüber unerlaubten Einflügen und Unterschreitungen der festgelegten Überflughöhen. Die Mindesthöhe über Grund — im Umfeld der Nationalparks 1000 Meter AGL — ist verbindlich. Pilot Matthias Schunk, der sich laut Aerokurier mit einem öffentlichen Appell an die Segelflug-Community gewandt hatte, formulierte es konkret: Wer die erforderliche Höhe nicht erreichen kann, soll den Nationalpark umfliegen. Den Nationalpark Vanoise etwa lasse sich auf der westlichen Seite in den meisten Fällen gut umfliegen. Die Verwalter der Schutzgebiete wiesen in den Verhandlungen wiederholt auf permanente Luftraumverletzungen hin und betrachteten Segelflieger deshalb als unsichere Verhandlungspartner — eine Ausgangslage, die den Spielraum für Zugeständnisse erheblich einschränkt.
Welche Gebiete sind betroffen und wie sind sie einzuhalten?
Fünf Schutzgebiete in den französischen und italienischen Hochalpen sind für Segelflieger besonders relevant: Vanoise, Mercantour, Écrins, Gran Paradiso und Vercors/Glandasse. Für alle gilt, dass die Luftraumdaten digital verfügbar und in Moving-Map-Systeme einspielbar sind. flieger.news empfiehlt den Download der aktuellen Luftraumdaten Frankreichs vom GitHub-Repository des Projekts planeur-net, das aktive Korridore enthält. Damit lässt sich im Cockpit die genaue Lage der Schutzgebietsgrenzen zuverlässig darstellen, ohne auf oft zu kleinmaßstäbliche Papierkarten angewiesen zu sein. Die Kartendarstellung über das Geoportail des französischen Staates (geoportail.gouv.fr) bietet ergänzend die offizielle OACI-VFR-Karte.
Rechtlicher Rahmen: Empfehlung in Deutschland, Bindung in Frankreich
In Deutschland sind die sogenannten Aircraft-relevant Bird Areas (ABA) rechtlich lediglich Empfehlungen. Seit 2007 sind diese Gebiete in deutschen Luftfahrtkarten grün markiert. Eine Arbeitsgruppe aus Bundesamt für Naturschutz, Deutschem Aero-Club und Vogelbeauftragten der Länder hat die betroffenen Gebiete sowie die zu schützenden Arten — darunter Kraniche, Wat- und Wasservögel sowie Birkhühner — festgelegt. Die empfohlene Mindesthöhe beträgt 2000 Fuß über Grund. Rechtsanwalt Ingo-Julian Rösch erläuterte im Fliegermagazin, dass die ABA-Kennzeichnung mit Hinweisschildern rund um Schulen vergleichbar ist: keine Verbotsnorm, aber ein klar adressierter Sensibilisierungshinweis. In Frankreich hingegen, im Kontext der Nationalparks Vanoise und Mercantour, handelt es sich um hoheitlich verwaltete Schutzräume, in denen Überflugbeschränkungen und Korridorregelungen durch die Parkverwaltungen festgelegt und gegenüber der Luftfahrt durchgesetzt werden.
Warum das Verhalten jedes einzelnen Piloten zählt
Die Debatte um die Schutzgebiete führt in der Segelflug-Community teils zu Frustration, wie die Kommentare unter dem flieger.news-Beitrag zeigen. Ein Pilot kritisierte die Einschränkungen als nicht nachvollziehbar und willkürlich. Die Antwort des Autors, der nach eigenen Angaben seit 35 Jahren in Südfrankreich fliegt, macht die pragmatische Logik deutlich: Ob die fachlichen Argumente der Schutzgebietsverwaltungen im Einzelnen konsistent sind oder nicht, ist für das Ergebnis der Verhandlungen irrelevant. Der Staat hat den längeren Hebel. Wer Korridore will, muss die bestehenden Regeln einhalten — denn jeder einzelne Verstoß wird den Verwaltungen als Beleg dafür vorgelegt, dass Segelflieger keine verlässlichen Partner sind. Das Gegenbeispiel zeigt, dass es funktioniert: Im Nationalpark Écrins wurden bereits neue Korridore ausgewiesen, nachdem die Verhandlungen Fortschritte gemacht hatten.
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