Segelflug-Bundesliga 2026: Zwei Plattformen, ein Chaos

Am 11. Mai 2026 berichtete flieger.news über eine ungewöhnliche Situation in der laufenden Segelflug-Bundesliga-Saison: Die Plattform Online-Contest (OLC), deren Betrieb eigentlich eingestellt werden sollte, setzt ihren Betrieb doch bis Ende 2026 fort. Das führt dazu, dass Vereine und Piloten ihre Flüge nun in zwei konkurrierenden Wertungssystemen einreichen können – oder müssen. Die Folge ist organisatorische Verwirrung, verpasste Fristen und sinkende Motivation in der Segelfluggemeinde.

Wie kam es zur zweigleisigen Liga-Struktur?

Der Online-Contest teilte mit, dass eine unerwartete Spende alle Funktionen der Plattform bis zum Ende der Saison 2026 absichert. In diesem Zuge wurden auch die OLC-Liga-Wertungen für die Nordhalbkugel, die regulär von Anfang Mai bis Ende August laufen, wieder aktiviert. Lediglich der Helpdesk wird aufgrund von Personalmangel eingestellt. Die langfristige Planung, die Segelflugszene gGmbH aufzulösen, bleibt davon jedoch unberührt – das Ende des OLC ist damit nur aufgeschoben, nicht aufgehoben. Viele Vereine hatten sich nach der ursprünglich angekündigten Einstellung bereits auf andere Plattformen eingestellt und ihre Abläufe entsprechend umgestellt.

Was bedeutet das konkret für teilnehmende Vereine?

Die kurzfristige Ankündigung der OLC-Fortsetzung hat bei mehreren Vereinen direkte Konsequenzen gehabt. Der LSV Rinteln beispielsweise landete in der zweiten Runde der aktuellen Saison auf Platz 18. Da die Information über den Weiterbetrieb des OLC spät eintraf, verpassten einige Piloten die Frist, ihre Flüge bis 10 Uhr am Folgetag auf der OLC-Plattform hochzuladen. Diese Flüge gingen damit für die OLC-Wertung verloren. Zuvor hatten viele Vereine ihre Flüge bereits auf anderen Plattformen eingereicht, was die Situation zusätzlich verkompliziert.

Zwei Wertungssysteme laufen parallel

Im Hintergrund dieser Verwirrung stehen zwei unterschiedliche Liga-Systeme, die aktuell nebeneinander existieren. Auf der einen Seite steht die DMSt-Bundesliga, die vom Deutschen Aero Club (DAeC) organisiert wird und über die Plattform WeGlide ausgewertet wird. Diese Liga gliedert sich in drei Ebenen – Erste Liga, Zweite Liga und fünf Regionalligen – und läuft über definierte Wertungsrunden an Wochenenden. Auf der anderen Seite steht die reaktivierte OLC-Liga-Wertung, die nun wieder parallel dazu betrieben wird. Beide Systeme haben eigene Einreichfristen, eigene technische Anforderungen und eigene Wertungslogiken.

Wie reagieren die Vereine auf die Situation?

Der LSV Rinteln erwägt nach eigenen Angaben, ab der kommenden Runde zweigleisig zu fahren und Flüge auf beiden Plattformen einzureichen. Auch andere Vereine melden ihre Flüge bereits auf beiden Plattformen. Das bedeutet für Vereinsverantwortliche und Piloten erheblichen Mehraufwand: Flüge müssen doppelt hochgeladen, Fristen doppelt beachtet und Wertungen auf zwei verschiedenen Systemen verfolgt werden. Der LSV Rinteln beschreibt die Entwicklung als zunehmend kritisch und bezeichnet die Bundesliga in ihrem aktuellen Zustand als eine Farce – ein Urteil, das die Stimmungslage in Teilen der Segelfluggemeinde widerspiegelt.

Langfristige Perspektive bleibt ungelöst

Die strukturelle Frage, auf welcher Plattform die Segelflug-Bundesliga langfristig ausgetragen wird, ist durch die Spende an den OLC nicht gelöst, sondern nur vertagt. Die Segelflugszene gGmbH, die hinter dem OLC steht, hält an ihrer Auflösungsplanung fest. Damit läuft die Plattform auf Ablauf. Der DAeC hingegen organisiert die DMSt-Bundesliga weiterhin über WeGlide. Solange beide Systeme parallel existieren, bleibt die Situation für Vereine unübersichtlich. Die Segelfluggemeinde steht vor der Aufgabe, für die Saison 2027 eine klare, einheitliche Grundlage zu schaffen – oder die Konsequenzen eines anhaltenden Parallelsystems zu tragen.

Weiterführend bei uns: Segelflug-Vereine

Quellen

Herausgeber

Michael Frey · Privatpilot seit 1993 & Fluglehrer (CRI)

Recherchiert mit KI-Unterstützung, redaktionell verantwortet von Michael Frey — Spornrad-Pilot mit über 30 Jahren Flugerfahrung, Mitglied im Fliegerclub Erding. Mehr über uns · Methodik & Quellen.