Am 22. Mai 2026 berichtete flieger.news über den Abschluss des Junior Wisent Gliding Cup auf dem Flugplatz Neresheim. Der Wettbewerb wurde in zwei Klassen ausgetragen: der schweren Klasse „Bull“ und der leichten Klasse „Calf“. Das Format des Wettbewerbs war als Trainingswettbewerb konzipiert, mit dem Ziel, ambitionierten Nachwuchspilotinnen und -piloten einen sportlich anspruchsvollen, gleichzeitig aber kameradschaftlich geprägten Einstieg in die Wettbewerbssaison zu bieten. Neresheim auf der Schwäbischen Alb gilt in der deutschen Segelflugszene als etablierter Veranstaltungsort für Nachwuchswettbewerbe.
Was sind die Klassen „Bull“ und „Calf“?
Die Klassenbezeichnungen „Bull“ (Stier) und „Calf“ (Kalb) sind namensgebend für den Wisent Gliding Cup und spiegeln das Konzept des Wettbewerbs wider: eine Unterteilung nach Flugzeuggewicht bzw. Leistungsklasse. Die schwere Klasse „Bull“ umfasst leistungsstärkere Segelflugzeuge, während die leichtere Klasse „Calf“ für weniger hochgezüchtete Muster vorgesehen ist. Diese Trennung ermöglicht einen fairen Vergleich innerhalb homogenerer Leistungsgruppen und spricht gezielt Piloten verschiedener Erfahrungs- und Ausrüstungsstufen an. Das Konzept macht den Wettbewerb für einen breiteren Teilnehmerkreis aus der Nachwuchsszene zugänglich, ohne dabei auf sportlichen Anspruch zu verzichten.
Wie verlief der Wettbewerb – und wer gewann?
In der „Calf“-Klasse setzte sich Paul Bauer auf einer LS 1-F mit 3.617 Punkten durch und verwies damit Karol Müller (Mosquito 303, 3.396 Punkte) auf den zweiten Platz. Den dritten Rang belegte Malte Orlan auf einer Discus b WL mit 3.357 Punkten. Die Punktabstände zwischen den drei Platzierten bewegen sich im Bereich weniger Hundert Punkte, was auf ausgeglichene Wettbewerbsbedingungen hindeutet. Die eingesetzten Muster – LS 1-F, Mosquito 303 und Discus b WL – sind klassische Einsitzer aus verschiedenen Jahrzehnten der deutschen und europäischen Segelflugzeugproduktion und in Nachwuchswettbewerben verbreitet.
In der „Bull“-Klasse gewann Jonas Zeller auf einem Nimbus 4T mit 3.398 Punkten. Der Nimbus 4T ist ein doppelsitziger Hochleistungssegler mit Hilfsmotor, der zur Spitzenklasse der Segelflugzeuge zählt. Auf Rang zwei folgte Lorenz Schulte-Varnholt auf einer LS 8 neo mit 3.216 Punkten, gefolgt von Henry Müller auf einem Discus 2b mit 2.978 Punkten. Auch in dieser Klasse liegen die Platzierungen innerhalb eines Rahmens, der auf mehrere kompetitive Wertungstage schließen lässt. Die vollständige Gesamtrangliste ist über die Plattform SoaringSpot abrufbar.
Bedeutung für die Nachwuchsförderung im Segelflug
Der Junior Wisent Gliding Cup positioniert sich ausdrücklich als Wettbewerb mit Fokus auf Nachwuchsförderung. Trainingswettbewerbe dieser Art erfüllen eine wichtige Funktion im Übergang vom Vereinsfliegen zur organisierten Wettbewerbsszene: Sie bieten jungen Piloten die Möglichkeit, Wettbewerbsabläufe, taktische Entscheidungen im Streckenflug und die psychologischen Anforderungen eines Klassenvergleichs unter realen, aber nicht maximal druckbeladenen Bedingungen zu erproben. Die beschriebene kameradschaftliche Atmosphäre ist dabei kein Selbstzweck, sondern ein bewusstes Merkmal des Formats, das den Lerneffekt unterstützt. Für die deutsche Segelflug-Community, die seit Jahren auf Nachwuchsmangel hinweist, sind solche Formate ein konkreter Baustein der Talentpipeline.
Flugplatz Neresheim als Veranstaltungsort
Neresheim liegt auf der Ostalb in Baden-Württemberg und verfügt über einen Segelflugplatz, der regelmäßig für Wettbewerbe und Überlandflüge genutzt wird. Die topografische Lage auf der Schwäbischen Alb bietet thermisch interessante Bedingungen, die für Wettbewerbszwecke geeignet sind. Der Wisent Gliding Cup ist nach dem Wisent benannt, dem europäischen Bison – ein Tier, das wie die Klassen „Bull“ und „Calf“ als Namensgeber für das Konzept des Wettbewerbs fungiert. Der Termin im Mai stellt saisonal einen frühen, aber bereits thermisch aktiven Zeitpunkt dar, der den Charakter als Saisonauftakt-Wettbewerb unterstreicht.
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