Ende März 2022 eröffnete der Aero-Club Bad Nauheim seine Flugsaison mit einer Reise nach Sisteron in den französischen Alpen. Zehn Piloten reisten mit sechs Fahrzeugen und sechs Segelflugzeugen in die Provence — eine Tradition, die seit über 40 Jahren gepflegt wird. Ausgangspunkt für die Anreise ist dabei stets der Flugplatz Ober-Mörlen in der Wetterau, von dem aus die Gruppe alljährlich zum Vol à voile in den Süden aufbricht.
Warum zieht es Segelflieger seit Jahrzehnten nach Sisteron?
Der Flugplatz Sisteron liegt inmitten einer topografisch außergewöhnlich vielseitigen Region. Die Landschaft reicht von flachen Ebenen über Bergseen bis hin zu vergletscherten Hochlagen und bietet damit eine Bandbreite an Flugbedingungen, die in Mitteleuropa kaum zu finden ist. Thermische Aufwinde an den Berghängen, klassische Hangwinde und ausgeprägte Leewellen machen das Gebiet zu einem der attraktivsten Segelflugreviere Europas. Genau diese Kombination aus unterschiedlichen meteorologischen Phänomenen erklärt, warum eine Gruppe Piloten aus dem hessischen Bad Nauheim über vier Jahrzehnte hinweg immer wieder denselben Zielflugplatz ansteuert — das Revier gibt fliegerisch schlicht mehr her als die meisten anderen Destinationen in Reichweite.
Welche Flüge absolvierte die Gruppe in der Provence?
Im Mittelpunkt des Aufenthalts standen tägliche Flüge in verschiedenen Gebieten der Region. Die Piloten nutzten die Lure-Welle, eine Leewelle am gleichnamigen Bergmassiv nordöstlich von Sisteron, sowie Hangflüge am sogenannten Parcours des Combattants. Weitere Flüge führten in die Baronnies, das Hügelland nördlich von Sisteron. Besonders bemerkenswert: Ein Teil der Gruppe unternahm Flüge in der Region um den Mont Blanc und das Matterhorn. In Leewellen wurden dabei Höhen von bis zu 6.000 Metern erreicht — ein Wert, der den fliegerischen Anspruch dieser Destination unterstreicht und den Einsatz von Sauerstoffausrüstung erfordert.
Tradition als Vereinskultur: Was steckt hinter 40 Jahren Treue zur Provence?
Dass ein Verein über vier Jahrzehnte hinweg dieselbe Zieldestination beibehält, ist in der deutschen Allgemeinen Luftfahrt keine Selbstverständlichkeit. Es spricht für ein gewachsenes Netzwerk vor Ort, für bewährte Abläufe bei An- und Rückreise sowie für das fliegerische Potenzial, das Sisteron Jahr für Jahr neu entfaltet. Solche Vereinsreisen erfüllen zugleich eine soziale Funktion: Gemeinsame Abendessen in den Unterkünften gehörten laut Bericht fest zum Programm. Die Verbindung aus konzentriertem Fliegen tagsüber und gemeinschaftlichem Austausch am Abend stärkt den Zusammenhalt innerhalb eines Clubs auf eine Weise, die der Alltagsbetrieb am Heimatflugplatz allein nicht leisten kann.
Wetterbedingte Planänderung bei der Rückreise
Auch auf Vereinsreisen bestimmt letztlich das Wetter den Ablauf. Aufgrund ungünstiger Wetterprognosen für die letzten geplanten Tage entschied die Gruppe, die Rückreise einen Tag früher als ursprünglich vorgesehen anzutreten. Die Entscheidung, flexibel auf sich ändernde Bedingungen zu reagieren und den Rückflug vorzuziehen, ist ein typisches Merkmal erfahrener Strecken- und Reisepiloten. Sie illustriert, dass auch gut vorbereitete Vereinsreisen einen Planungspuffer einkalkulieren müssen — gerade in einer Bergregion, wo Wetterfenster eng und Alternativen begrenzt sein können.
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Quellen
- Pilgerreise nach Südfrankreich – flieger.news — 2026-05-14